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Alois Glück nimmt Passau als Paradestück:
Aus Bundeswehr-Verlust das Beste gemacht


Von Thomas Seider

Im Eiltempo hat Alois Glück, Vorsitzender der CSU- Landtagsfraktion, gestern ein umfangreiches Besuchsprogramm in Passau absolviert. Er stellte fest, die Stadt habe aus dem Verlust des Bundeswehr-Standorts das Beste gemacht.

Wegen der Sitzung des CSU-Präsidiums in München war Glück mit einer Stunde Verspätung angekommen: Es pressierte. So brachte er die Stationen seines Besuchs auf Einladung von MdL Dr. Gerhard Waschler im Laufschritt hinter sich, mit dabei auch MdL Konrad Kobler. In Kohlbruck sah Glück den Wohnpark und erfuhr von OB Willi Schmöller, die Stadt hoffe auf Hilfe, um EU- Förderung fürs Messegelände mit Halle zu bekommen: "Da kann jeder Politiker hilfreich sein, besonders in so einer Position."

Im Gewerbepark informierte Glück sich bei Geschäftsführerin Maria Schrallhammer über die ADAC- Tochter GKS. Er fragte, was die Call-Center-Mitarbeiter mindestens für einen Schulabschluss brauchen: den Quali. Und ob das Personal leicht zu finden ist? Teilzeit- seien leichter zu besetzen als Vollzeitstellen, so Maria Schrallhammer.

Blitzgespräch im Gründerzentrum: Henrik Felbier, Otto Gerlesberger und Ursula Knödlseder vom Gründerrat schilderten, dass es nicht nur subventionierte Räume brauche, sondern auch ein Netzwerk, um Erfahrungen und Aufträge auszutauschen. Kohlbruck gehöre zu den funktionierenden Gründerzentren, in denen die Jungunternehmer in vorhandene Wirtschaftsstrukturen eingebunden würden und nicht ohne Aufträge auf der grünen Wiese säßen, betonte GGP-Geschäftsführer Joseph Gevatter. In Begleitung von Geschäftsführerin Maria Bahle unternahm Glück einen Rundgang durch das mikrobiologische Labor Milan.

"Ich frage die Stadt, ob sie die Auflösung des Bundeswehr-Standorts noch bedauert?", fasste Glück seine "guten Eindrücke" zusammen. "Nein", kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort von Joseph Gevatter. Für Glück verständlich: "Kohlbruck ist in der Tat beeindruckend. Ich werde alle herschicken, die von Standort-Entscheidungen betroffen sind." In der neuen Staatlichen Berufsschule I am Fernsehturm erfuhr Glück durch Schulleiter Hans Käfler von der angespannten Situation bei der Lehrerversorgung und - fortbildung im Bereich Informations-Technologie: Die Lehrkräfte hätten erheblichen Fortbildungsbedarf, weil sie Informations-Technologie unterrichten sollten, dafür in ihrer Erstausbildung aber nicht geschult worden seien.

"Wir brauchen ein Konzept. Und für die Übergangszeit sollten Lehrkräfte eingestellt werden dürfen, die eine Qualifikation auf diesem Gebiet haben, wenn auch nicht den vorgeschriebenen Abschluss - und Fachkräfte zum Betreuen der Computersysteme", so der Schulleiter. Noch ein Anliegen: Die gute technische Ausstattung der Schule müsse dazu genutzt werden können, auch auf dem Markt der Weiterbildung tätig zu werden, "freilich ohne eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den hier bereits tätigen Institutionen herbei zu führen".

Nach mehreren Interview-Terminen (PNP-Interview in der morgigen Ausgabe) sprach Alois Glück am Abend beim Streiblwirt über "Strategien erfolgreicher Politik". Die CSU habe Erfolg, weil sie die Gemüter erreichen und doch einen Modernisierungskurs steuern könne. Was er nachmittags in der Schule gehört habe, müsse Bestandteil der anstehenden "inneren" Schulreform sein: Den Schulen müsse mehr Verantwortung gegeben werden, und es sei ein Mehr an Lehrerfortbildung erforderlich.

Quelle: PNP 16. Mai 2000